Bürgerversammlung 2010 in Sendling: Gemischte Bilanz und ein großes Problem

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Gentrifizierungsgefahren, wenig Kriminalität, zu wenig KiTa-, Kindergarten- und Parkplätze, umstrittene Bauvorhaben stehen an ... der Bezirksausschuss 6 zieht Bilanz

 


Bürgerversammlung BA 6 Sendling: Keine Jugendlichen, keine Mitbürger mit Migrationshintergrund.

 

"Nehmans des mit, des muas weida", sagt der freundliche Herr von der Stadt am Eingang. Prospekte und Infos zu städtischen Initiativen bedecken einen ganzen Tisch, Schilder mit der Aufschrift "Achtung Wachsamer Nachbar" werden angeboten, aber nicht nachgefragt. Wahrscheinlich, weil es zu sehr an die bekannten Schäferhund-Schilder an Gartentoren erinnert. Die gut geheizte Turnhalle an der Gaißacher Straße füllt sich pünktlich mit Bürgern und Bürgerinnen, gelbe Stimmschilder werden verteilt. An die 200 Sendlinger und Sendlingerinnen sind versammelt.

 

Leider hat diese Aktion auch was gefühlt Bedrohliches: Wenn der Nachbar jeden Partylärm um 22.01 Uhr mit der Polizei stoppt und Einfahrt-Kurzzeit-Falschparker sofort persönlich-körperlich erziehen will.

 

 

Wenn zu wenig Bewegung herrscht, in der Halle, langweilt sich der eingebaute Bewegungsmelder und schaltet das Licht ab, was kein großes Problem ist: Ein städtischer Mitarbeiter steht dann auf, führt einen Moriskentanz (s. Wikipedia d.Red.) auf, der sofort das Licht wieder zur Verfügung stellt und für einen wiederholten kurzen Lacher gut ist.

Die Zweite Bürgermeisterin Christine Strobl leitet die Versammlung im schönsten Münchnerisch, was hier ja endlich mal erlaubt ist, ins Rathaus kommen ja auch manchmal ausländische Gäste. Dann gibt Bezirksausschuss-Urgestein und -Vorsitzender Günther S. Pelkowski seinen Bericht über die letzten 12 Monate. Sein Fazit ist, wie er selbst sagt, gemischt: Manches sei vorangebracht worden, zum Beispiel die Umgestaltung des Harras, die nun noch dieses Jahr starten soll, das Parkmanagement hier in Sendling allgemein, oder die Standortsicherung der Markthallen. Auch mit dem Sozialbürgerhaus in der Meindlstraße gehe es munter voran, die Neugestaltung des Margarethen-Platzes sei nun gesichert.

Dann kommen die Sendlinger Problemfälle: Ein Dauerbrenner sei die stete Verteuerung von Wohnraum in Sendling: "Inzwischen überrollt die dritte Welle an Dachausbau und Umwandlungsspekulation unseren Stadtbezirk", so Pelkowski. Die Möglichkeiten der Stadt sind hier begrenzt: Es gibt nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten für die Stadt, ein Vorkaufsrecht auszuüben, wenn ein Mietshaus auf den Markt kommt. Das wird allerdings regelmäßig umgangen, die Umwandlung in Eigentumswohnungen ist die Folge. "Binnen 5 Jahren", so Pelkowski, seien dann 60 Prozent der Alt-Mieter vertrieben".

Neue Bau-Projekte in Sendling

Der Harras-Umbau startet noch dieses Jahr im November, sicher eines der Verdienste des Bezirksausschusses. Es wird immerhin über zwei Jahre in Anspruch nehmen, danach wird eine moderne Gestaltung mit Brunnen, Sitzbänken, Bäumen, breiteren Radwegen und einer straßenfreien Seite des Platzes den Harras attraktiver, menschengerechter machen.
Eine weitere positive Nachricht: Die für Radfahrer und Fußgänger sehr gefährliche, weil enge Unterführung der Lindwurmstraße soll neu gebaut werden, dann stehen auch breitere Wege für die Fußgänger und Radfahrer zur Verfügung. Bisher können ja kein Liebespaar oder ein Zwillingskinderwagen die Unterführung passieren, ohne dass ein Radler im Millimeterabstand vorbeiklingelt. Auch hier übrigens taucht das Thema S-Bahn-Südring wieder auf. Ein Bürger-Antrag sieht vor, dass auch eine mögliche Südring-Variante dort mit eingeplant werden soll. Über sie müsste ja der Verkehr dann geführt werden. Auch wenn es momentan nicht nach einem Bau des Südrings aussieht, weil die zweite Stammstrecke favorisiert wird, ein Hoch auf bürgerlichen Sachverstand, der in die Zukunft denkt.

Streitpunkt schon jetzt ist übrigens das durchweg sehr katholische Bauprojekt des Katholischen Siedlungswerks, des Katholischen Männerfürsorgevereins und des Sozialwerks katholischer Frauen an der Plinganserstraße 27-31 (oben) und Kidlerstraße 34 (unten). Durch den Neubau des Pfarrzentrums von St. Margaret werden hier die Grundstücke frei und somit veräußert. Nachdem die Plinganserstraße an dieser Stelle nicht gerade von architektonischen Schönheiten gesäumt wird, ist die Planung von großer Wichtigkeit. Besonders interessant ist die sogenannte eiszeitliche Hangkante, die bereits sehr verbaut ist. Der Bezirksausschuss stemmt sich gegen eine Riegelbebauung an der Plinganserstraße, die in einem Antrag auf Vorbescheid eingereicht wurde. Pelkowski wird sehr deutlich: "Der BA 6 Sendling sieht dieses Vorgehen als ausdrücklich unfreundlichen Akt gegenüber der Bevölkerung Sendlings an!" Man wolle das geplante "Clearinghaus an dieser Stelle nicht in seinem Stadtbezirk haben". Und sagt Widerstand an, fordert weiter einen Bebauungsplan. Wenn das der Papst wüsste.

Zuwenig Kinderbetreuung in Sendling

Es gibt einige Gründe, warum Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren, beziehungsweise Kindergartenplätze so wichtig sind. Es verbessert die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, es ermöglicht beiden Eltern, Geld für die hohen Lebenshaltungskosten in München zu verdienen usw., usf. Zu lange wurde das Thema besonders im konservativen Süden in Deutschland vernachlässigt. Mit dem erfreulichen Baby-Boom in München ist der Bedarf sehr hoch und steigt sogar noch. Vielen Eltern muss man die Anmeldung ihres Nachwuchses sozusagen vor der Zeugung empfehlen. Die Situation der Kinderbetreuung in München wird insgesamt zwar besser, befriedigt aber noch keineswegs den Bedarf. Sendling liegt hier sogar noch unter dem städtischen Durchschnitt, wie Bürgermeisterin Strobl ausführte: Stadtweit liegt der Versorgungsgrad bei etwa 30 Prozent, Sendling ist darunter, bei Kindergartenplätzen bei 83 Prozent, Sendling hat erst 76 Prozent erreicht. Das sind eindeutig zu viele Eltern, die bei Gefahr für Beruf, Geldbeutel und Magennerven verzweifelt nach einem guten, nahe gelegenen Kinderbetreuungsplatz suchen. Hier ist eindeutig noch Luft nach oben, in Sendling.

Kriminalität in Sendling

Die Kriminalität in Sendling sei, so Sandra Landes als Vertreterin der Polizeiinspektion 15, "nicht besorgniserregend". Kfz-Diebstähle seien rückläufig (eine weitere Folge der Abwrackprämie wahrscheinlich, d.Red.), während die Zahl der Einbruchsdelikte eher ansteige. Das herausragend sportliche Beispiel für Kriminalität in Sendling wird auch erwähnt: Ein Kraftfahrer, der in Sendling bis auf über 100 km beschleunigte, was gewiss eine Sauerei ist, aber trotzdem ein Rekord, für die Statistik der Polizei. (Aktuell aus den letzten Tagen übrigens: 130 km/h durch den Trappentreutunnel)
Leider muss immer wieder vor Trickbetrügern gewarnt werden: Zur Zeit wird mit einem Brief-Konstrukt von einer "Deutsche Rentnerversicherung" den letzten, die einer Renten-Versicherung noch naiven Glauben schenken, dieser ausgetrieben. Die Masche ist übrigens alt und folgt den bekannten nigerianischen Emails: Erst mal etwas Geld überweisen, dann kommt viel zurück.
Auch vor Einbrüchen in der früh einsetzenden Dämmerung wird gewarnt, besonders in der kommenden "staaden" Zeit, allerdings wird von Frau Landis nicht auf die eingangs erwähnten "Wachsamer Nachbar"-Schilder verwiesen, wo es doch tatsächlich mal gepasst hätte.
Alles in allem also ein recht positives Bild von Sendling in diesem Fall.

Das BA6-Podium mit BA-Vorsitzendem Pelkowski und Bürgermeisterin Strobl:
Bilanz 2010

 

Die Bürgeranträge

Auch wenn sich durch das Parkraummanagement einiges in Sendling verbessert hat: Brennpunkte gibt es immer wieder. Ein besonderer scheint sich um die DAV-Kletteranlage in der Thalkirchner Straße zu bilden. Hier finden die Anwohner, die abends nach Hause kommen, im größeren Umkreis keine Parkplätze mehr: Sie werden durch die Besucher der Kletteranlage blockiert, bis sich die gegen Mitternacht wieder "abseilen". Dass sich hier größerer Unmut anstaut, ist deutlich, weil es eine Vielzahl von Anwohnern betrifft. Außerdem wird das Kletterzentrum noch massiv erweitert, so dass mit Zunahme des Parkplatzbedarfes ruhig gerechnet werden darf. Vielleicht müssen sich doch manche Kletterer in Zukunft horizontal eine andere Möglichkeit der Bewegung suchen. Hier wird dringend eine Abhilfe zu entwickeln sein. Außerdem tauchte die Frage auf, warum der DAV nicht eine Tiefgarage bauen müsse, wie andere Institutionen. Nicht unberechtigt, denkt man an die zusätzlichen Klettermöglichkeiten, die sich dort ergäben.

Die Postfiliale Kochelseestraße an der Großmarkthalle solle erhalten bleiben. Sie werde stark genutzt und dies solle "dieses ignorante Unternehmen", so der Antragsteller, auch anerkennen. Die Supermärkte könnten das, aufgrund mangelnder Kompetenz, nicht auffangen.

Auch bei den Bürgeranträgen spielt das Thema Mietwohnungen und ihre Gefährdung durch Umwandlung und Spekulation ein große Rolle. Das betrifft zum einen zwei Häuser in der Kyreinstraße, Nummern 12 und 14, die auf dem freien Markt angeboten werden. Hier solle sich der Bezirksausschuss um die eventuelle Vermittlung an eine Sendlinger Wohnungsbaugenossenschaft bemühen. Eine Mieterin war in Sorge um die Wohnanlage in der Karwendelstraße, die erneut verkauft werden solle, was nichts Gutes bedeuten könne. Hier wurde die Prüfung beantragt, ob nicht auch die Karwendelstraße in die Erhaltungssatzung der Stadt aufgenommen werden kann.

Am Schluss sei übrigens noch der Antrag zur Verbesserung der Abfallkörbe am Neuhofer Berg erwähnt. Die dortige Krähenpopulation habe sich nämlich, so die Anwohnerin, entschlossen, die weggeworfenen Hundekotplastiksäckchen aus selbigen wieder herauszufischen und weitstreuend zu öffnen ... Die bildreiche Schilderung sorgte für zwanghaftes Schlucken bei der Zuhörerschaft. Auch dieser Antrag einstimmig angenommen.

Das Problem der Bürgerversammlung

Die Bürgerversammlung hat ein Problem, genauer gesagt zwei: Würde man den durchschnittlichen Besucher der Bürgerversammlung beschreiben, ist er erstens um die 50 bis 60 Jahre alt, und, zweitens, ohne Migrationshintergrund. Der Beweis dafür ist zwar etwas oberflächlich, aber einfach zu führen, nämlich nach dem Aussehen. Es gab erstens keine coolen Mützenträger in Baggy-Jeans oder im Boyfriendstyle, zweitens niemand mit Kopftuch oder entsprechenden anderen körperlichen Kennzeichen, die auf einen Migrationshintergrund deuten.
Es gab auch keine entsprechenden Antragsteller. Und das ist ein besonders dickes Problem: Kinder und Jugendliche sollten ihren Stadtteil aktiv mitgestalten, siehe die Vertreibung der Skateboarder am Freundorfer Platz, oder zumindest Demokratie live erleben. Und was die Mitbürger und -bürgerinnen mit Migrationshintergrund angeht. Laut dem regionalen Sozialbericht von 2007 haben im Stadtbezirk 06 Sendling weit über ein Drittel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund!

Zur Zeit wird in der ganzen Republik sehr kontrovers diskutiert, warum Parallelgesellschaften in Deutschland entstanden sind und wie man mit den Integrationsproblemen richtig umgeht. In einem sind sich aber alle Kritiker der heutigen Situation einig: Die Kommunikation der gesellschaftlichen Gruppen untereinander muss verbessert werden, Beteiligung ist angesagt, auf allen Ebenen. Inwieweit die teilweise Ablehnung des Moscheebaus am Gotzinger Platz dabei eine Rolle spielt, muss noch recherchiert werden.
Mit der aktuellen Situation darf sich unser Stadtteilparlament jedenfalls nicht zufrieden geben. Wir werden eine entsprechende Anfrage an den Bezirksausschuss richten.

Alle Bilder und Text: SAZ

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