Gutbürger, Wutbürger, Mutbürger und Rodenstock21

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Der Begriff "Wutbürger" ist das Wort des Jahres 2010, entstanden im Stuttgarter Kampf um den neuen Bahnhof, in Bremen gibt es sogar eine Partei, die sich Bürger in Wut nennt und Google adelt das Wort mit 200.000 Such-Treffern. "Ich mag das Wort nicht", sagt Christoph Maurer von der Bürgerinitiative gegen die Bebauungspläne der Baywobau im Dreimühlenviertel, und lächelt freundlich.
 

  
Es schien ja alles so einfach für die Baywobau, Ende letzten Jahres, man hatte sich eines der letzten großen innerstädtischen Sahnegrundstücke gesichert, nahe an der Isar, jeder im Viertel war froh, dass die ausnehmend hässliche Bebauung auf dem Rodenstockgelände abgerissen wurde ... da bekamen einige Dreimühlenviertler Bilder der ersten Entwürfe des neuen Blocks zu Gesicht. Und sagten sich, "das geht so nicht". Christoph Maurer, Professor an der Hochschule München und außerdem erfahren in der Mediation von Wirtschaftsauseinandersetzungen, wurde aktiv.
 
Inzwischen ist ein halbes Jahr vergangen, es gibt einen Investor, der schon an "Nachbesserungen" arbeitet, 1300 Unterschriften von Unterstützern und eine Website zur Bürgerinitiative: www.3mühlenviertel.de. Zeit, mal genauer hinter die Kulissen der Bürgerinitiative zu blicken. Wie kam es dazu, wer ist da eigentlich aktiv und warum prangt ein durchgestrichenes Stuttgart(Rodenstock) 21(durchgestrichen)-Logo auf der Website der BI?
 

Der Stand der Dinge: Unklar
 
Tatsache ist: Der bisherige Entwurf des Architekturbüros Ortner&Ortner wird von vielen Dreimühlenviertlern als gänzlich unpassend zum Viertel empfunden, das Münchner Forum verwendet dafür den Begriff "Schnorrerarchitektur", die Stadt zieht sich auf rein rechtliche Positionen zurück und ein beunruhigter Investor versucht, die Dinge unter Kontrolle zu behalten. Zeit, sich mit Christoph Maurer zu unterhalten, der seinen Kopf für die Sache des Viertels hinhält, sich aber nicht als "Wutbürger" sieht: Warum eigentlich nicht, Herr Maurer?
 

Maurer: Ich bin erfahrener Mediator, vor allem im wirtschaftlichen Bereich. Man sucht nach Lösungen für alle beteiligten Parteien. Da geht es primär nicht um Emotionen.
 
SAZ: Aber in der Politik geht es doch um Emotionen.
Maurer: Also ich sehe mein Engagement zunächst nicht "politisch", ich gehöre keiner Partei an, bin unabhängig.
 
SAZ: Früher waren Sie auch nicht politisch engagiert? Also so Joschka-Fischer-mäßig, oder wie Jürgen Trittin?
Maurer: In der Anti-AKW-Bewegung war und bin ich aktiv.
((Interviewer und Interviewter stellen fest, dass sie sich hätten in Wackersdorf treffen können, wo die Wiederaufbereitungsanlage für Kernbrennstoffe hätte gebaut werden sollen. Und dass "die uns ganz schön dankbar sein können, jetzt." Damit passt auch Christoph Maurer gut zum Ergebnis, das eine Studie zu den Protestierenden von Stuttgart ergeben hat. Die Mehrzahl dort hat schon einmal Erfahrungen mit verschiedenen Protestformen gemacht.))
 
SAZ: Was war der Punkt, der erreicht werden musste, dass Sie sich engagieren?
Maurer: Als ich die Pläne im Dezember letzten Jahres sah. Da erkannte ich, dass man da was machen muss. Das geht so nicht, in diesem Viertel.
 
SAZ: Aber das allein reicht doch noch nicht. Die Pläne gefallen ja vielen nicht, aber nicht alle werden aktiv.
Maurer: Ich dachte mir, hier kann ich was bewirken. Außerdem identifiziere ich mich mit dem Viertel. Das ist schon auch ein Auslöser, dass ich hier wohne, gerne wohne. Natürlich gibt es auch überregionale Themen, die Engagement brauchen, zum Beispiel das Thema Ausstieg aus der Atomkraft.
 
SAZ: Hätten Sie denn auch protestiert, wenn das Ganze in Freimann geplant worden wäre?
Maurer: Nein, sicher nicht. Hier braucht es schon eine Bindung, ich wohne hier, ich muss dann auf die Fassade schauen, täglich.
 
SAZ: Was war der nächste Schritt?
Maurer: Über Freunde und Bekannte fanden sich schnell die rund sechs Personen zusammen, die den aktiven Kern bilden.
 
SAZ: Sind da auch jüngere Leute dabei?
Maurer: Nun, eigentlich nicht. Der Schnitt liegt zwischen 40 und 60. Zusammen haben wir Strategien entwickelt. Eine Unterschriftenaktion, die Website, städtische Politiker kontakten, Klinkenputzen ...
((In Stuttgart ist das ähnlich: Die Altersstruktur. Jüngere Menschen waren zum Zeitpunkt der Studie zu Stuttgart 21 deutlich in der Minderzahl. Das erklärt wohl auch den Eindruck des "(Wut)Bürgertums". Überwiegend ältere Menschen gehen auf die Straße, nicht jugendlich-bunte Gruppen. Nicht für Frieden oder kernkraftfreie Welten, sondern gegen einen Bahnhof. In ihrer Stadt.))
 
SAZ: Wie hat der Investor Baywobau reagiert?
Maurer: Zu Beginn sehr ablehnend. Bis er verstanden hat, dass Kommunikation allen nützt. Und er bewegt sich auch.
 
SAZ: In welcher Weise?
Maurer: An der Fassade wurden ja schon erste Änderungen vorgenommen. Auch die gemeinsam durchgeführte Veranstaltung im Zunfthaus ist ja ein Zeichen, dass Gesprächsbereitschaft vorhanden ist.
 
SAZ: Wie geht es nun weiter?
Mauer: Wir haben bei der letzten Bürgerversammlung den Antrag gestellt, dass ein Fassadenwettbewerb ausgeschrieben wird. Wenn Sie sich die Arbeiten des ohne Zweifel renommierten Architekturbüros Ortner&Ortner anschauen, dann sind die auf gewerbliche Bauten und Großbauten überhaupt spezialisiert. Nicht darauf, in einem Viertel auch in kleineren Strukturen zudenken. Deshalb ist einer unserer Vorschläge, die Fassadengestaltung neu auszuschreiben, um hier besseren Lösungen eine Chance zu geben.
((Dass das Bürgerinitiativenmanagement Christoph Maurers Hand und Fuß hat, zeigt sich auch an dem weisen Entschluss, den Schwung des Protests gar nicht erst durch eigene Gestaltungsvorschläge zu spalten. Ästhetische Lösungen werden selten durch einen kleinsten gemeinsamen Nenner gefunden. Ist ja auch nicht die Aufgabe der Bürgerinitiative, sondern die renommierter Experten.))
 
SAZ: Es stellt sich ja zunehmend die Frage nach der Rolle der Stadt.
Maurer: Das denken wir eben auch. Natürlich hat die Stadt einen erheblichen Einfluss auf einen Investor, der regelmäßig Bauprojekte in München hat. Herr Uhlmann von der Stadt zieht sich auf formale rechtliche Regelungen zurück. Die stellen wir auch gar nicht in Frage. Es geht sicher alles nach den Buchstaben der Bauordnung. Es fehlt einfach bisher das Engagement der Stadt für die beste Lösung. Es wird in Kürze einen von uns initiierten Runden Tisch geben, an dem wir, der Investor und die Stadt sitzen werden, da versuchen wir, gemeinsam Lösungen zu finden.
 
SAZ: Was ist, wenn sich der Investor stur stellt und schlicht auf sein Baurecht pocht? Reichen denn Gespräche und Moderation und Austausch aus, wenn es am Ende um Ergebnisse geht, um Interessenkonflikte?
Mauer: Wir reden miteinander, weil das zunächst die beste Lösung ist, und an einem Runden Tisch ohne Öffentlichkeit, weil so jeder sein Gesicht wahren kann. Wenn das nicht klappt, dann gibt es immer noch weitere Möglichkeiten.
 
SAZ: Welche denn?
Maurer: Wir können dann den öffentlichen Druck erhöhen. Oder wir können rechtliche Schritte einleiten. Das mögen Investoren gar nicht, wenn es bei so großen Projekten zu Zeitverzögerungen kommt. Vor die Bagger werfen können wir uns immer noch.
((An dieser Stelle lächelt Herr Maurer wieder. Was den Satz etwas milder wirken lässt. Ganz sicher dürfen sich die Bagger deswegen auch nicht fühlen, scheint dem Interviewer.))
 
SAZ: Es gibt ja eigentlich noch eine Partei bei der Sache, das ist der Bezirksausschuss. Sie haben den gar nicht mehr erwähnt?
Maurer: Der BA ist in einer schwierigen Lage. Der hat den Siegerentwurf der Ausschreibung für das Projekt zunächst einfach durchgewunken, die waren froh, dass das besonders hässliche Rodenstockgelände endlich für Wohnraum frei wird. Dann wurde erst klar, wie das aussieht, was da entstehen soll.
 
SAZ: Wie viel Zeitaufwand bedeutet denn ihr Engagement hier?
Maurer: Schon etwa einen Arbeitstag pro Woche.
 
SAZ: Was bedeutet eigentlich das durchgestrichene Rodenstock21Zeichen auf ihrer Website? Dass Sie den Stuttgarter Bahnhof doch wollen?
Maurer: Nö, sondern dass wir genau so eine Auseinandersetzung verhindern wollen. Im Interesse aller Beteiligten.
 
SAZ: Wir danken für das Gespräch!                            SAZ

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